Nachdem ich in der Startliste aufgetaucht war, wurde ich von vielen Seiten gefragt: „Wie kommt´s , dass Du startest?“ – ganz einfach: ich hab spontan ein Rennen gesucht. Einerseits, um mir den rabenschwarzen Tag in Sardinien aus dem Kopf zu „schwimmen, radeln, laufen“ , andererseits aber auch, weil ich von vorneherein noch eine Mitteldistanz vor Norwegen machen wollte und von Moritzburg in den letzten Jahren schon viel positives gehört habe. Ich kann es vorneweg sagen: es hat sich als richtige Entscheidung erwiesen und das nicht allein wegen dem Sieg.

Aber von vorne:
Da die Hauptziele nach wie vor Norseman und Challenge UK sind dieses Jahr, hab ich mein Training (leider) nur sehr wenig für das Rennen heruntergefahren.  Es sollte ein hartes Trainingsrennen werden, bei dem schwere Beine dann wohl dazu gehören.

Da war die Ansage „Neoverbot“ am Vortag erst mal ein Schock! Scheinbar hatte die Natur dann aber Mitleid mit mir und hat über Nacht noch eine Menge kühlenden Regen geschickt und somit die Temperaturen des Schlossteichs unter die vorgegeben 23 Grad gedrückt!
Im Gegensatz zu den letzten Jahren hab ich dieses Jahr wieder mehr an meiner Schwimmschwäche gearbeitet, was sich in diesem Rennen gleich bezahlt machen sollte: Schon nach wenigen Metern konnte ich die Führung übernehmen und mit  31 Sekunden Vorsprung wechselte ich aufs Rad. Das Ziel heute war für mich klar gesetzt: Solides, sauberes Schwimmen und hart Radfahren. Dass das Laufen mit dem Training der letzten Wochen in den Beinen schwer werden würde war mir schon vorher klar.
Allerdings hatte ich nicht damit gerechnet, dass auch die 95km auf dem Rad zu einem echten Kraftakt werden würden. Das lag  weniger an der Strecke, die leicht wellig mit vielen Ecken und Kurven war, als vielmehr am Wind. Windstärke 6, hieß es nach dem Rennen,  hat uns draußen auf dem Kurs mächtig zugesetzt, da gerade die  Teile in denen er von vorne oder schräg vorne kam, sehr offen waren.  Ich wollte ein hartes Radfahren  – ich bekam es  :-)   Noch am Donnerstag hat Fritz Buchstaller meine Position nachjustitiert, da mein Rücken auf dem Rad doch immer meine Schwachstelle im Wettkampf ist. Ich kann nur sagen: Erfolg auf ganzer Linie!  Der Rücken hat ohne Probleme gehalten und ich hatte richtig Druck! Für mich sehr positiv: ich konnte die 95km nahezu alleine fahren: ich überholte einige Langdistanz Athleten (vor denen ich bei dieses Bedingungen wirklich meinen Hut ziehe) und wurde von ein paar Männern auf der Mitteldistanz bzw. Staffeln überholt.  Auch sehr positiv in Hinblick auf die langen Rennen: auch die Verpflegung hat auf dem Rad komplett funktioniert, also außer meinen müden Beinen alles im SOLL. Die müden Beine waren aber zumindest gewillt, Ihren Schweinhund zu überwinden und somit konnte ich nach 2:40h mein Rad glücklich in der Führung liegend in der Wechselzone abstellen. Was ich nicht wußte: außer mir gab es noch eine Nachmeldung: Kristina Lapinová,  eine starke Mitteldistanz und vorallem Duathletin. Ich kann von Glück sagen, dass Ihre Schwimmschwäche größer ist als meine :-)    Denn die kann Laufen. Mit einer Halbmarathonsbestzeit von 1:22 hat sie selbst wenn ich getapert bin im direkten Laufvergleich deutlich die Nase vorn.
Da ich aber nicht mal wußte, wer da gute sieben Minuten nach mir vom Rad steigt, wollte ich eigentlich den schweren Beinen nicht mehr allzu viel Schaden antun und war im „locker bis zügig“ Modus die ersten Runde durch den Schloßpark gejoggt. Fest im Glauben, es könnte ja nichts mehr passiere. Das Gesicht von Hans nach einer Runde hat was anderes gesagt: Kristina war schon auf 4 Minuten rangelaufen, das heißt der halbe Vorsprung nach 1 von 3 Runden weg. Wer rechnen kann weiß, dass das nicht gut für mich aus geht. Es sei denn ich verlass meine Komfortzone und nehm jetzt die müden Beine in die Hand und fang an zu laufen. Das hab ich dann so weit das möglich war auch gemacht, aber mein Trainingsrennen wurde somit noch zum mentalen und physischen Krimi. Den konnte ich zwar letztendlich mit 2 Minuten Vorsprung für mich entscheiden, aber es ist mir doch eine Lehre:  ungetapert hat der Spass doch manchmal ein Loch und ruh Dich niemals auf den Lorbeeren aus. Das Rennen ist im Ziel zu Ende – und keinen Meter früher!
Mein großer Dank geht an die Organisation, die Helfer und auch die Zuschauer vom Moritzburg Triathlon. Ein professionell organisierter Triathlon mit wunderschönen Wettkampfstrecken und herrlicher Kulisse.  Großes Kino – vielen Dank dafür!
Nach dem 2 Runden Krimi bin ich jetzt natürlich umso glücklicher über den Sieg, aber auch über die kleine Standortbestimmung. Was steht jetzt also an:
Als Erstes mich richtig ausruhen: seit Sardinien hab ich fast durchtrainiert..es ist Zeit für eine ruhige Woche, denn ich spür, dass die Beine gut sind, aber einfach müde.  Im Schwimmen genau so weitermachen, die Richtung stimmt und es macht mir seit Langem sogar mal richtig viel Spass. Das Tempo auf der MD war immer angenehm und sicher kaum schneller, wie ich es durchschwimmen kann. Ich denke aber an der Schraube kann in den nächsten 7 Wochen noch gedreht werden.
Rad fühlt sich sehr gut an, aber da muss jetzt eben erst mal Ruhe sein. Ein paar lange Einheiten und vor allem Berge braucht es aber noch, aber die sind mit 2 Aufenthalten in der Schweiz auch schon geplant :-) .  Ein Highlight und Schlüsseleinheit im Training wird mein Staffel Einsatz auf dem Rad beim Challenge in Roth sein. 180km Zeitfahren bekomme ich im Training nicht wirklich hin :-) aber für mich die beste Möglichkeit eines harten und langen Trainings.
Im Laufen fühl ich mich bezüglich meines Grundtempos eigentlich schon sehr gut. Ich hab gestern mal wieder festgestellt, dass ich einfach nur EIN Tempo habe – egal auf welcher Distanz.  Sicherlich nicht gut für Kurz- und Mitteldistanz, aber ich spür, dass die Fährigkeit das Tempo einfach durchzulaufen schon wieder da ist. Aber gerade im Laufen ist die Pause jetzt mit am wichtigsten. Sobald ich erholt bin, wird das Laufen, natürlich auch in Kombination mit einigen Bergläufen, mein Schwerpunkt sein.
So.. soviel zum Standort und den Aussichten.  In Kürze folgt hier ein Bericht über meine letzten Wochen, die vor allem dem Analysieren einiger Nahrungsunverträglichkeiten galten und die eine oder andere Veränderung auf meinem Speiseplan mit sich brachten. Ein sehr interessanter und wichtiger Schritt, nicht nur für mich als Sportlerin, auch im Alltagsleben, bei dem ich sehr wertvolle Hilfe erhalten hab!

Also.. bis in Kürze Eure Susa