Bild: Jorgen Melau

Mein Wecker hat das erste Mal um 1.30 geklingelt! Schnell eine Flasche Fresubin und einen Kaffee getrunken und dann nochmal 30min ins Bett gelegt. Da ich die ganze Woche gut ausgeschlafen hatte und richtig erholt war, war ich selbst nach nur 1-2h Schlaf hell wach und hatte das Gefühl, dass es jetzt endlich losgehen sollte. Der belastende Druck war einer angenehmen Nervosität und Vorspannung gewichen. Schon jetzt konnte man mir die Freude auf das Rennen ansehen.  Noch eine kurze Stretching Einheit und schon gings los.

Um 3Uhr hieß es dann einchecken auf der Fähre, die pünktlich um 3:30 in Richtung Fjord abgelegt hat. 90min mussten wir auf der Fähre verbringen, was relativ kurzweilig verlief, da man die Gelegenheit zum kurzen Plausch mit den bekannten Athleten genützt hat.  Ich bin immer noch geplättet mit wie viel Herzlichkeit man mir rund um das Rennen sowohl von Crew, aber auch Athletenseite begegnet.

Bild: Kai-Otto Melau

Bild: Kai-Otto Melau

Kurz vor 5:00 Uhr  begannen die ersten Athleten sich am Fährenrand aufzustellen um, wie für den Norseman bekannt, den Auftakt mit dem Sprung in den dunklen Fjord zu beginnen.  Ich freue mich jedes Jahr auf diese Besonderheit, denn sie kickt das letzte bisschen Adrenalin ins Blut und macht einen dann endgültig  „ready to go“.  Nachdem ich aus dem kalten Nass aufgetaucht war, begann ich auf die Kajaks, die die Startlinie markierten hinzu zu schwimmen.  Doch da merkte ich bereits: sie kamen nicht näher.  Das lag tatsächlich nicht an einer mangelnden Schwimmform meinerseits, sondern an der bereits einsetzenden Flut.  Mir war klar, dass die Auftaktdisziplin dieses Jahr etwas länger als gewohnt dauern würde. Und tatsächlich: das helle Licht, welches den ersten Wendepunkt markierte, wollte ebenso wie die Startlinie nicht näherkommen.

Je länger wir unterwegs waren, desto stärker wurde auch der Wellengang. Aber ich fühlte mich während dem Schwimmen immer sehr gut. Das vermehrte Schwimmtraining hat sich vor allem durch eine höhere Ermüdungsresistenz bezahlt gemacht, denn selbst nach extrem langen 1:18h für die 3,8km, fühlte ich mich weder müde noch hatte ich müde Arme. Die schnellsten Männer waren auch eine Stunde unterwegs, für die schwächeren Schwimmer sollte der Fjord in diesem Jahr auf Grund Flut und Wellen, zu nassen Hölle werden. Selbst der Cut-Off musste etwas verschoben werden, weil sonst zu viele Athleten bereits zu Beginn hätten disqualifiziert werden müssen.

Rye Glennern

Als 4. Frau kam ich aus dem Wasser, und wurde von meinem Support Hans und “Cheerleader” Uli und Diane empfangen.

Als 3. Konnte ich bereits aufs Rad wechseln. In Führung lag wie erwartet und bereits im letzten Jahr Marlin Lundvik, eine ausgezeichnete Schwimmerin aus Schweden. Die für Norwegen startende Athletin war die 3. Des Vorjahres und in diesem Jahr bereits 2. Der norwegischen Langdistanzmeisterschaft.

Meine Eltern standen 20km weiter in Eidfjord wo das Radrennen normalerweise beginnt. Dort geht es dann relativ schnell in den ersten Anstieg. Bevor ich sie erreichte und der ersten Anstieg begann, konnte ich schon auf Platz 2 vorfahren. Mittlerweile hatte die Muskultur und der Kreislauf das lange, kalte Schwimmen “verdaut” und das eigentliche Radrennen begann.