Kai-Otto Melau

13 Minuten war der Vorsprung, den ich vom Rad mit auf das Laufen nehmen konnte. Ich wusste, dass ich extrem vernünftig gefahren war und somit im Grunde ein problemloses Laufen erwarten konnte. Trotzdem  – eine Langdistanz (und gerade diese hier) lässt sich niemals voraus kalkulieren,das macht sie auch so spannend und besonders. Die ersten Kilometer waren die Beine wie erwartet etwas schwer und nach 6:53min auf dem Rad, muss man erst mal seinen Rhythmus in der neuen Bewegung finden. Nach 4km war das dann aber geschafft und ich fühlte mich sehr gut. Lediglich im linken Fuß machten sich von Anfang an Schmerzen bemerkbar.

Bereits in den letzten Einheiten hat sich dieses Problem im Vorfuß gezeigt, ausgelöst durch einige letzte harte Einheiten mit zahlreichen Treppen und auf dem Stepper. Ich muss zugeben, dass ich bei meiner letzten langen und intensiven Einheit die letzte Stunde den Schmerz ignoriert und darüber hinaus trainiert habe. Der Schuster und die Schuhe, sag ich da bloß. Als Trainerin darf mir so etwas wirklich nicht passieren, aber ich geb zu, dass es mir extrem schwergefallen wäre, diese letzte Schlüsseleinheit abkürzen zu müssen.  Dank täglicher Compex Behandlungen, einem fantastischen Physio (Rainer Wittmann) der mich noch dreimal in seinen vollen Terminkalender gezwängt hat und meiner jahrelangen Zusammenarbeit mit Pohlig (Fussversorgung im Rad/Laufschuh) , war das Rennen überhaupt möglich. Ich konnte zumindest in der Vorwoche schmerzfrei gehen und kurze Laufeinheuten absolvieren. Die Konsequenzen für das Rennen waren dennoch 42km mit  unangenehmen Schmerzen, die nicht hätten sein müssen. Wieder gelernt, dass die Grundregeln des sinnvollen Trainings auch für mich gelten.

Durch die Energie die einem die Führung mitgibt, konnte ich den Schmerz aber weitestgehend ausblocken und meinem Vorsprung im 25km Flachstück sogar minimal ausbauen. Zügig aber kontrolliert war die Devise, da ich wusste, dass ich im Berg noch viel mehr Abstand aufbauen konnte, wenn meine Beine noch eine Energiereserve mit hinein nehmen können.  Unerwartet heiß wurde es im Tal hin zum Gaustatoppen und ich vermute im Nachhinein, dass meine Mixtur aus Penco Gels und Wasser für Temperaturen um die 27° (womit ich vorher nicht gerechnet hatte) zu „dick“ angerührt war. Es sollten sich nämlich später im Trail leichte Magen.- Darmkrämpfe bemerkbar machen, die ich auf zu viel Kohlehydrate  und zu wenig Wasser zurückführe.  Generell hat meine Ernährung perfekt geklappt. Seit mehreren Jahren vertraue ich auf die Produkte von Penco, die sich vor allem durch die hohe Qualität der Inhaltsstoffe und aber auch den Geschmack auszeichnen, und kann mich auch bei einem so langen Rennen fast ausschließlich davon (plus Wasser, Salz und später etwas Cola) ernähren. Der Norseman ist das einzige Rennen, wo ich auf dem Rad zusätzlich noch 2 Falschen Fresubin trinke, da der Energieumsatz auf Grund der Kälte und der langen Dauer des Rennens sehr hoch ist. Auch das hat bestens funktioniert.  Wie gesagt: man sollte dann aber, wenn die Temperaturen steigen und damit der Schweißfluss und Wasserverlust größer wird, die Flüssigkeitsmenge anpassen.  Scheinbar war ich aber während dem Laufen zu solch klaren Denkprozessen nicht mehr fähig :-)
Gegen Ende der 25km im Flachen wurden die Beine langsam etwas müder. Das Rennen war bereits über 10 Stunden alt und natürlich zeigten sich da erste Spuren. Somit war mein Bick in Richtung Gipfel, der ab km 20 das erste Mal zu sehen ist, ein ungewisser: wird der Berg in diesem Jahr wieder mein „Freund“ sein, oder zum ersten Mal eher Feind? Kaum war ich in Rjukan nach links abgebogen und in den ersten Teil des „Zombie Hill“ gelaufen, wußte ich:  der Berg ist und bleibt mein Freund :-) . 1500 Höhenmeter sind auf 17km zu bewältigen. 4,7km davon über Geröll und Felsen.  Dennoch unterschätzen die meisten den 13km Pass bevor man in das alpine Gelände überwechselt.  Auch Tim DeBoom hat sich noch 1 Monat Zusatztraining erbeteten, als er eine Woche vor dem Rennen die steile Asphaltrampe zum ersten Mal live gesehen hat. Der Trail ist dann wahrlich nur noch “Zugabe” .

Das Laufgefühl wurde sogar wieder besser und ich fasste insgeheim wie in den letzten beiden Jahren den Vorsatz die 13km in der steilen Passstrasse bis hin zum Trail durch zu laufen. 2009 gelang mir das, 2010 waren die Beine zu müde und kurze Gehpausen notwendig. In diesem Jahr war die Energie wieder da und ich konnte sowohl durchlaufen, als auch meinen Vorsprung auf 20min auf die zweite Frau ausbauen.  Mit diesem Vorsprung traf ich am Start des Trails auf Hans, der mein Support über die 4,7km über Geröll und Felsen sein würde. Da ich mich immer noch sehr gut fühlte, zweifelte ich nicht mehr, meinen 3. Sieg nach Hause zu laufen.  Eigentlich dachte ich sogar wäre es in diesem Jahr doch relativ entspannt, da der Abstand nach hinten deutlich und der Trail ja jedes Jahr meine Stärke war. 2009 lief ich ihn schneller als die ersten 3 Männer und 2010 baute ich meinen Vorsprung von 7 auf 16min auf diesen 4,7km aus. Allerdings hatte ich diese Gedanken Rechnung ohne Hans gemacht. In Mitte des Trail gab er mir nämlich die Info, dass ich trotz Schwimmen gegen die Flut und 20km/200hm mehr auf dem Rad, immer noch auf  Rekordkurs läge. Ich konnte das kaum glauben und mein erster Gedanke war „Nicht schon wieder“.

Jorgen Melau

Jorgen Melau

2009 und 2010 hab ich beide Jahre im Trail hart um den Rekord gekämpft und war jedes Mal am persönlichen Limit oben am Gipfel angekommen.  2009 hatte ich den Rekord auf Grund des starken Gegenwindes auf der Radstrecke knapp verfehlt, 2010 hat es dann endlich geklappt. Somit

war es mein eigener Rekord um den ich nun kämpfen sollte. Ich muss zugeben, dass ich mich im ersten Moment gar nicht dafür motivieren wollte. Aber eben nur im ersten. Der Ehrgeiz hat sich durchgesetzt und ich wollte am Ende zumindest sicher sein, dass ich es versucht hatte.

Leider war ich bereits mit starken Magen.- /Darmkrämpfen in den Trail gerannt,  war dieser Kampf wirklich ein harter. Wir hatten Gel und Cola mit dabei, aber das einzige wonach ich mich sehnte war WASSER. Blankes Wasser, aber genau das hatten wir nicht. Zum Glück befanden wir uns aber in Mitten purer Natur und wie auf fast jeden Berg, war überall Wasser zu finden. Ich versuchte also aus einem Rinnsal etwas Wasser abzufangen und Hans füllte mir auch zusätzlich noch eine kleine Flasche davon ab. Tief braun, aber das war mir egal. Wasser hat noch nie besser geschmeckt als an diesem Tag. Nachdem es scheinbar wirklich nur an der fehlenden Flüssigkeit zu den Kohlenhydraten lag, konnte sich mein Magen/Darm zumindest in den letzten 20min wieder etwas beruhigen und so startetenwir einen letzten harten Versuch, meinen eigenen Rekord noch einmal zu brechen.  Und das gelang dann auch.

Das Gefühl wieder als erste Frau auf diesem besonderen Gipfel mit diesem außergewöhnlichen, harten Rennen in den Beinen, anzukommen war unbeschreiblich und eine regelrechte Befreiung von all dem Druck der die letzten Wochen auf mir gelegen war. Der Hattrick war mein großes aber nicht leichtes Ziel und ich bin überglücklich, dass ich dieses erreicht habe.

Wie es sportlich bei mir weitergeht, folgt in den nächsten Tagen !
Ein großer Dank geht an meine Partner und Sponsoren (siehe unten) aber ganz besonders  an meine Betreuer und vor allem Familie,  die mich das ganze Jahr und während dem Rennen unterstützen. Ohne sie wäre mein Sport und Leben so nicht möglich.
•    Magic Sportfood –  völlig verrückte Geschäftsleitung :-) , Markführer im Online Verkaufbereich
•    Hannes Hawaii Tours:  langjähriger Freund und Geschäftspartner – es gibt keinen besseren im Bereich Traithlon Reisen und Trainingslager, zusammen mit uns (PET) auf Fuerteventura (Payitas)
•    Skinfit  – wenn Du bei 10° und Regen nicht frierst weißt Du, dass Du richti gekleidet bist
•    Planet X Bikes – ich liebe mein “little Stealth” – wie maßangefertigt für mich
•    Sailfish – damit kommt selbst eine Nicht-Schwimmerin wie ich zeitig aus dem Wasser :-)
•    Saucony –  immer der richtige Schuh für jedes Training, Rennen und so stylisch auch für den restlichen Tag
•    Penco –  die sicherlich höchste Qualität im Bereich Sportfood – und schmeckt auch über 13h lang!
•    ACS /Rotor -ovale Kettenblätter und Kurbel für effective Kraftleistung auf dem Rad!
•    ACS/Compex – Leistungssport ist Körperpflege – der Compex hilft mir täglich dabei
•    Fritz Buchstaller –  eine Legende im Bereich Radvermessung und Material – ich bin stolz und glücklich, dass ich zu den betreuten Athleten gehöre
•    Power2Max –  Wattmessung, die Basis  die schnellste Radzeit der Frauen und persönliche Laufbestzeit in diesem Rennen: gleichmässiges und effektives   Radfahren
•    Pohlig – ohne die Einlagen von Pohlig in Rad.- und Laufschuh hätte ich meinen Sport beenden müssen.  Problemlösung für empfindliche Füsse
•    Oakley –  ich liebe meine – wer tut das nicht?
•    Suunto –  der Blick  nach innen; Trainings.- und Wettkampfsteuerung und Kontrolle
•    CEP – Kompressionssocken:  sorgten in der Ebene für frische Beine im Anstieg
•    Physio Rainer Wittmann: Danke für den„Notfall Einsatz“ nach meinem Mountainbike Sturz um meinen Rücken für das Rennen wieder fit zu kriegen. Er wird weiterhin mein Begleiter in Sachen Physiotherapie für meine nächsten Ziele bleiben!