5 Okt
Doch, für mich nicht nur eine Option, sondern manchmal auch einfach nur die einzig richtige Entscheidung, die kaum einem Athleten wirklich leicht fällt.
Der Challenge UK sollte nach dem Sieg beim Norseman der zweite Saisonhöhepunkt 2011 werden. Ich hatte mich sehr auf das Rennen dort gefreut, da ich bekanntlich ein großer Fan der Challenge Serie und landschaftlich schönen, aber schweren Rennen bei eher kühlen Temperaturen bin. Das und eine wundervolle Race Crew bietet der Challenge Henley on Thames UK allemal. Hans, meine Eltern und ich sind wieder per Auto und Fähre angereist und konnten eine wunderschöne, entspannte Rennwoche, die sich für mich wie Urlaub anfühlte, verbringen.
Das Gefühl völlig entspannt zu sein, hat mir aber bereits im Vorfeld etwas Magenziehen bereitet. Weder Adrenalin, Anspannung noch der Wunsch mich sportlich zu bewegen, machten sich breit, dafür aber das Gefühl der Entspannung und eben URLAUB. Nicht wirklich passend in der Woche vor einem wichtigen Rennen. Nachdem ich die 6 Wochen zwischen Norseman und UK schon kaum in die Gänge gekommen bin und keine richtigen Trainingseinheiten machen konnte, da der Körper einfach zu müde war, betet ich insgeheim, dass ich in den Tagen vor dem Rennen aber dennoch wieder „aufwachen“ würde und mich ausgeruht und bereit für den Wettkampf fühlen würde.
Bereits in der Vergangenheit hatte ich Langdistanzen in diesem Abstand gemacht und das zweite Rennen war dann sogar immer mein besseres Rennen gewesen. Allerdings war das erste Rennen dabei nie so hart wie der Norseman in diesem Jahr. Vor allem der mentale Druck als zweifache Siegerin nach Norwegen zu fahren, der nach dem Rennen wie ein Stein von mir abfiel, war enorm. Genauso dann das mentale Loch danach. Ich hatte zwar eine wunderschöne Zeit nach dem Norseman, da das Feedback unglaublich war, aber ich war weder körperlich noch mental bereit wieder Leistung zu bringen. Unterschwellig spürte ich das die ganze Zeit, aber die große Vorfreunde auf das Rennen in UK hat mich dieses Gefühl bis zum Schluß unterdrücken lassen.
Renntag: Die Bedingungen schienen genau meine zu sein: kaltes Wasser , ca 15° und auch sehr kühle Außentemperaturen nach dem Schwimmen, ca. 7°, dennoch sollte es aber meist trocken bleiben. Beim Schwimmen fühlte ich mich soweit ok, aber ohne richtige Spannung und Druck. Der Abstand nach Vorne war aber mit 10min auf die Spitze im Soll und sogar etwas weniger, als ich auf Yvette Grice in der Vergangenheit hatte. Gegen die spätere Siegerin war ich beim Ironman UK 2007 und 2008 bereits 2x gestartet und konnte mich damals mit dem 4. (2007) und 3. (2008) Platz noch gegen sie durchsetzen. Allerdings wußte ich bereits, daß sie an Ihrer Radschwäche hart gearbeitet hat und sie war so für mich von Anfang an die Favoritin in diesem Rennen. Damit sollte ich am Ende Recht behalten.
Zufrieden mit der Schwimmleistung ging es aufs Rad und die frostigen 7° nahmen mir zwar auch jedes Gefühl in Händen und Füßen, ließen mich aber dennoch lächeln, da ich weiß, dass ich mit diesen Bedingungen meist besser zurecht komme als viele andere Athleten. Bereits im ersten Anstieg fühlte ich mich wieder warm und wohl, allerdings keine Spur von Muskelspannung und Druck in meinen Beinen. Der einzige Druck der zu spüren war, lag auf meiner Unterschenkelaußenseite: die Nachwirkungen meiner Verletzung vor dem Norseman, die mir dort schon starke Schmerzen im linken Vorfuß gebracht haben. Durch die Fehlbelastung auf der harten Marathon Strecke in Norwegen, hatten sich die Probleme auf den Bandapparat im Sprunggelenk und die angrenzenden Muskeln übertragen. Da ich zwischen den beiden Rennen aber kaum mehr trainiert hatte, waren die Probleme nur unterschwellig aufgetreten und ich hatte mich für den Start in UK entschieden. Sicherlich hätte ich die Schmerzen wie bereits in Norwegen wieder ausblocken können. Darin bin ich (leider) ziemlich gut. Es war die Müdigkeit, die mir ein Finishen des Rennens unmöglich machte. Bereits nach 60km akzeptierte ich, dass mein Körper heute nicht bereit ist Leistung zu bringen. Die Schmerzen im Fuß waren nur das letzte Signal, das ich brauchte, bei meinen Eltern anzuhalten und die Startnummer abzunehmen.
Die Hoffnung lag jetzt natürlich darin, dass wenigstens Hans ein gutes Rennen machen würde. Er hatte sich nach seiner persönlichen Bestzeit von 8.36h und Platz 9 beim Challenge in Kopenhagen sehr motiviert noch für Challenge Walchsee und UK gemeldet, da offensichtlich die Müdigkeit nach dem Rennen erst mal ausblieb. Wir wußten, dass es ein Risiko ist, aber warum nicht probieren. Am Walchsee konnte er schon 3 Wochen nach CPH ein sehr starkes Rennen abliefern und fühlte sich die Tage danach auch immer noch frisch und fit für die zweite LD in diesem Jahr. Ich muß zugeben, dass ich schon etwas verwundert war, warum er keinerlei Ermüdung nach seinem harten Rennen in Dänemark zeigte, traute ihm aber nochmal ein Top Ergebnis zu. Zumal mir klar war, dass sich viele Athleten auf dem harten Radkurs müde fahren würden und beim Laufen „hochgehen“ werden. Mit der Einschätzung sollte ich, wie wir später auf der Laufstrecke sehen konnten, auch recht behalten. Ziel war es also wie in der ganzen Saison gut zu Schwimmen, solide aber sicher Rad zu fahren, um dann im Laufen wie gewohnt einzusammeln. Eigentlich kein schlechter Plan, hätte sich bei Hans nicht auch in der Taperphase die so lange ausstehende Müdigkeit gemeldet. Im Grunde keine Überraschung, aber natürlich blödes Timing. Er hat es 30km länger als ich versucht, musste aber nachdem er einen der längeren Anstiege selbst im kleinsten Gang fast nicht mehr geschafft hätte, völlig entkräftet aufgeben. Zwar schade, aber er kann mit seiner Saison, besonders mit dem Rennen in Kopenhagen, sehr sehr zufrieden sein.
Gemeinsam sind wir dann raus auf die Laufstrecke um andere Athleten anzufeuern, wir beide hatten von uns gecoachte Athleten und Freunde unter den Teilnehmern, es gab also noch etwas zu tun. Besonders stolz bin ich auf Celia, die nach langer harter Saison, mit der 3. Schnellsten Radzeit den 5. Gesamtplatz belegt hat. Ganz tolles Rennen!
Natürlich bin ich darüber enttäuscht, dieses Rennen, welches genau nach meinen Vorstellungen ist, nicht beenden zu können. Aber ich weiß, dass es weder an meinem Willen zu kämpfen, noch an mangelnder Motivation lang. Es ist nach so vielen Jahren mit extrem harten Rennen nicht schwer für mich, gegen Schmerzen, Müdigkeit auf Grund von Wettkampf Dauer&Härte zu kämpfen. Das hab ich gelernt und ist auch meine Stärke. Aber ich habe auch gelernt zwischen Müdigkeit die von Belastung und Anstrengung kommt, und der die von einem sowohl mental als auch physisch müden Körper kommt, zu unterscheiden. Und wer dabei glaubt, dass das Austeigen selbst in diesem Moment der völligen Ermüdung eine Erleichterung ist, der irrt sich gewaltig. Es tut weh, macht den Kopf noch leerer als er vorher schon ist und erweckt einfach nur den tiefen Wunsch, in diesem Moment etwas daran ändern zu können.
Ich bin in Rückblick stolz drauf, dass ich dem Wunsch einfach weiter zu fahren NICHT nachgegeben hab. Bei anderen Athleten dann im Nachhinein zu lesen, „dass viele Athleten an dem Tag den leichten Weg gingen und ausstiegen“ macht mich nicht mal wütend.
Vielleicht dient es demjenigen die eigene Leistung auf irgendeinem Weg aufzuwerten.
Für mich war DNF an diesem Tag eine Option. Und zwar die Einzige.
Ich hab dafür von allen Seiten genauso wie nach meinem Sieg beim Norseman unglaubliches Feedback erhalten und möchte ich dafür herzlich bedanken. Es bestätigt meine Entscheidung und macht es möglich hinter so einen schwarzen Tag einen Hacken zu machen. Mein Dank gilt aber auch allen die im Vorfeld die die Daumen gedrückt und unterstützt haben, aber auch ganz besonders dem bezaubernden Team des Challenge Henleys, sowie meinen Eltern, die wie selbstverständlich auch zu diesem Rennen mit angereist sind. Es ist wie immer unglaublich welchen Support ich erhalte. Egal ob an einem guten oder schlechten Tag. Dafür einfach nur DANKE!